Beitragsbild: HNA © Wilfried Apel

Der Männergesangverein Iba feiert trotz Auflösung des Geschwisterchors

Iba – Ginge es nach dem Vereinsvorsitzenden Karl-Heinz Schüler, könnte es nach dem am Samstagabend mit leichter Verspätung gefeierten Geburtstag des Männergesangvereins Iba „immer so weitergehen“. In Anlehnung an einen Schlager von Curd Jürgens vielleicht unter der Überschrift „160 Jahre und kein bisschen leise“, mit gut aufgelegten Gastchören, Ehrungen, Grußworten und dem einen oder anderen Flachgeschenk. Und doch offenbarte das Zusammensein im Saal des Gasthauses Däche für alle Anwesenden einen Einschnitt. Er ist nicht ganz untypisch für die Situation der Gesangvereine, die „in der guten alten Zeit“ anerkannte Träger und Vermittler dörflicher Kultur waren, jetzt aber an „Personalmangel“ leiden.

Der Geschwisterverein des MGV, der seit 103 Jahren bestehende Gemischte Chor Iba, hat bei seiner Jahreshauptversammlung sogar seine Auflösung beschlossen. Sein Auftritt bei der Geburtstagsfeier war deshalb so etwas wie ein Abgesang auf viele Jahre gemeinsames Singen von Frauen und Männern – so schön wie eh und je und so, dass einem gar nicht bewusst wurde, dass es das letzte Mal war. Da wurde vom Gern-in-die-Berge-Gehen gesungen, mit viel Gefühl von der Liebe, die wie eine Rose blüht – fast so anrührend wie im dalmatinischen Kroatien, woher die Weise stammt – und definitiv Abschied genommen mit der Aufforderung „Lebe, liebe, lache“.

„Mit Musik geht alles besser“

Chorleiter Josef Koster hatte wie immer alles wunderbar gerichtet, alle Noch-Chormitglieder leisteten mit Inbrunst ihren Beitrag und verließen, mit Applaus bedacht, mit einer Mischung aus Freude und Traurigkeit die Bühne.

Von der aus hatte Moderator Roland Soldan die Sängerfamilie nach Einstimmung durch eine elfköpfige Abordnung des Eisenbahn-Blasorchesters Bebra begrüßt und sich mit seinen 49 Lenzen als jüngster Sänger des MGV vorgestellt. Der ebenfalls von Josef Koster dirigierte Jubiläumschor sang sodann in Anlehnung an die Olympia-Hymne „One Moment in Time“ von seinem großen Tag, von den Zielen, für die man lebt, von den Träumen, den Sternen und der Ewigkeit. Darüber hinaus riet er: „Mit Musik geht alles besser“, und schließlich überreichte er noch einen mit viel Schwung gesungenen Blumenstrauß: „Rot sind die Rosen.“

Chöre aus der Region gratulieren

Weitere Geburtstagsgratulanten waren der die Schönheit der Welt besingende Eisenbahnchor Germania Bebra, der dritte Koster-Chor, und der noch nicht allzu lange bestehende, von David Gollmer inspirierte Projektchor Bebra, in dem Sänger aus Bebra, Iba, Lüdersdorf, Sterkelshausen und Weiterode eine neue Einheit bilden. In vergleichsweise großer Zahl auftretend begeisterten sie mit „Freude, schöner Götterfunken“ und den Hits „Alt wie ein Baum“ und „Santiano“. Sehr gern gehörte maritime Akzente setzte der vierte Chor von „Käptn Koster“, der Shanty-Chor Bebra.

Vom Gorch-Fock-Lied bis hin zum „Ave Maria der Meere“ und dem Schlusslied „Leise kommt die Nacht“ ließen es die von Jörg Kispert am Akkordeon und Christoph Brunhorn an der Gitarre begleiteten „Seebären“ im besten Sinne brummen. Langanhaltender Beifall war ihnen sicher.

Die Grüße und Glückwünsche des Sängerbezirks, des Landkreises und der Stadt überbrachten Ina Koch, Landrat Torsten Warnecke und Bürgermeister Stefan Knoche. Koch ordnete das MGV-Jubiläum als „etwas Kostbares und Seltenes“ ein, das viel Arbeit und zwei Leben lange Treue widerspiegele. Warnecke wünschte den Sängern „allzeit Stimme“ und nach dem angekündigten Abschied von Josef Koster insbesondere den MGVlern einen Chorleiter, der die Stimmen herauszufordern wisse. Knoche blendete zurück und stellte heraus, dass der Jubiläumsverein drei Kriege überlebt habe.

Auf weitere eindrückliche, bis ins Jahr 1865 zurückreichende Daten wies Roland Soldan hin, um zusammenfassend zu betonen, dass gemeinsames Singen immer mehr als nur ein Hobby gewesen sei: „Der MGV war und ist bis heute ein wichtiger Begegnungsort.“

Im Namen der Bürgerschaft und aller Ibaer Vereine unterstrich er als Ortsvorsteher seinen Dank mit einem „Briefumschlag“, den er dem Vorsitzenden Karl-Heinz Schüler überreichte. Der seit 2020 amtierende Schüler (82) und sein von 1995 bis 2013 amtierender Vorgänger Karl Hobert (85) wurden darüber hinaus für insgesamt 37 beziehungsweise 44 Jahre Vorstandsarbeit vom Mitteldeutschen Sängerbund und vom Verein mit Ehrenurkunden ausgezeichnet.

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